Sonntag, 13. April 2014

Schottland Rundreise 2013 - Tag 5

Tag 5 - Barabhas/Barvas - Uig Sands - Abhainn Dearg Distillery - Bosta/Bostadh (Great Bernera) - Barabhas/Barvas (165 km)


An unserem fünften Reisetag versprach die Wettervorhersage recht gutes Wetter für die Isle of Lewis und einem Ausflug zu den weltbekannten Uig Sands/Tràigh Uuige (TripAdvisor) stand nichts im Wege. Von Barvas/Barabhas sind es etwa 60km (1 Stunde Fahrt) bis zum größten und bekanntesten Sandstrand der Isle of Lewis. Bei Ebbe zieht sich hier das türkisfarbene Meer über eine Meile zurück und legt den goldenen Sandstrand frei, an dem man dann wunderschöne Spaziergänge unternehmen kann. Zunächst fuhren wir die uns bereits bekannte A858 in südlicher Richtung bis nach Garrynahine/Gearraidh na h-Aihne und bogen dann westwärts auf die B8011 die bis nach Timsgearraidh/Timsgarry führt.  Hat man Timsgearraidh erreicht, liegt die Bucht direkt unterhalb und den einfachsten Zugang zum Strand erhält man in der Nähe des Campingplatzes (VisitScotland), wo man auch sein Auto abstellen kann.



Die Wettervorhersage hatte nicht zuviel versprochen und so zeigte sich nach einem kurzem Schauer wieder die Sonne. Der Sand fühlt sich unglaublich an den nackten Füßen an und jeder sollte einmal durch das seichte, kalte Wasser gewartet sein. Der Peeling Effekt ist garantiert! Es soll auch Leute geben, die sich trotz kühler Temperaturen komplett in die Fluten stürzen...



Der Strand ist aber nicht nur wegen seiner Weitläufigkeit bekannt, sondern wird auch immer in Bezug auf die Lewis Chessmen (Wikipedia) genannt. Im Jahre 1831 soll an diesem Strand ein Schäfer eine größere Anzahl an Schachfiguren entdeckt haben. Diesen Gesellen haben wir am Straßenrand in der Nähe des Campingplatzes entdeckt. War gar nicht so schwer diese Chessmen aufzuspüren und wir mussten nicht mal im Sand buddeln... ;-) In der Gegend sind viele als große Holzreplika an verschiedenen Stellen aufgestellt worden.


Diese als Lewis Chessmen bekannten Schachfiguren wurden aus Walrosselfenbein gefertigt und stammen vermutlich aus Norwegen (12. Jahrhundert). Heutzutage kann man einige im British Museum in London oder im Schottischen Nationalmuseum in Edinburgh (Homepage) besichtigen. Wem Replika reichen und noch etwas über die Lebensweise an diesem Ort erfahren möchte, sollte unbedingt die örtliche Schule von Timsgearraidh besuchen, neben dieser befindet sich das "Uig Heritage Centre" (Homepage).
Öffnungszeiten: Juni-September, Montag-Samstag, 12-17 Uhr, Eintritt 1 GBP


Größere Kartenansicht

Neben der Entdeckungsgeschichte der Lewis Chessmen, bekommt man hier einen genauen Einblick in die Lebensweise der Ureinwohner und die Austellung beherbergt viele Gegenstände aus den sogenannten Blackhouses. Sollten dann noch Fragen offen sein, stehen gerne Mitarbeiter aus der Region für jede noch erdenkliche Frage bereit. 

Nachdem dieser Programmpunkt abgehakt werden konnte, wollten wir die hier ansässige Whisky Destillerie besuchen. Laut verschiedenen Fachbüchern wird in dieser Ecke der Insel ein sehr guter Whisky gebrannt. Jetzt musste nur noch die Destillerie gefunden werden und das gestaltete sich schwieriger als erwartet, da es keines der üblichen braunen Straßenschilder für die Brennerei gab und ein Postcode bei einer Straßenkarte auch nicht wirklich half. Wir umrundeten Uig Sands ein weiteres Mal und wurden mit einem wunderschönen Blick über diese wunderschöne Bucht belohnt.



Zum Glück gab es an diesem Ende der Welt auch andere Touristen die das gleiche Ziel hatten und mit vereinten Kräften konnte die gesuchte "Abhainn Dearg Distillery" (Homepage) gefunden werden. Warum sich das so schwierig gestaltete? Schauen Sie selbst, sie sah eher aus wie eine Schaffarm oder Kläranlage...


Größere Kartenansicht

Die Destillerie gibt es seit 2008 und ist die einzige "legale" Brennerei auf den Äußeren Hebriden. Hier wird alles per Hand gemacht, sogar die Abfüllung. Als wir ankamen, war eine kleine dänische Gruppe vor uns, so hatten wir Zeit uns eigenständig in dem kleinen Produktionsraum umzusehen. Auf kleinstem Raum ist alles vorhanden, was man auch in einer großen Destillerie findet... um uns bei Laune zu halten, durften wir ausgiebig den produzierten Whisky probieren. Startzeiten für Führungen gibt es nicht, wenn jemand vorbeikommt, wird er gerne in die Kunst des Whisky brennens eingeführt. Sollte eine Gruppe vor einem sein, kann man sich anschließen oder die paar Minuten warten, sich umsehen und Whisky testen.
Öffnungszeiten: Montag-Freitag, 11-13 Uhr und 14-16 Uhr




Persönlicher Kontakt wird hier groß geschrieben, ist man mit dem Brennmeister erstmal auf einer Wellenlänge wird einem auch der gälische Vorname verraten und man wird in das angrenzende Wohnhaus geführt, um einen Überblick auf die mit Recht stolze Whisky Produktion zu bekommen. Sehr gerne haben wir zwei Flaschen Whisky mitgenommen... Den Spirit of Lewis und den Abhainn Dearg miniature Single Malt. Eine weitere Bereicherung für unser Whisky Regal :-)

Der Tag war noch jung und auf dem Weg zurück über die B8100 machten wir über die B8059 einen Abstecher zur Insel Great Bernera (Wikipedia). Diese ist über eine Brücke seit 1953 mit dem "Festland" der Isle of Lewis verbunden. Oberhalb der Brücke befinden sich frühzeitliche Steine, die sogenannte Callanish VIII Steine (Wikipedia (englisch)). Sie bilden einen Halbkreis und werden lokal als "Tursachan" (Standing Stones) bezeichnet.








Bernera ist eine felsenreiche Insel, mit vielen kleinen Lochs und die Einwohner leben vor allem vom Hummerfang. 1992 legte ein Sturm eine Eisenzeit Siedlung frei, die wahrscheinlich von den Pikten gegründet wurde. Um diese zu schützen, wurde sie wieder mit Sand bedeckt und eine Nachbildung eines solchen Hauses "Bosta Iron Age House" ist in der Nähe des Friedhofes von Bosta/Bostadh zu sehen.
Öffnungszeiten: Für die aktuellen Öffnungszeiten sollte man folgende Nummer anrufen 01851/612285 oder in der örtlichen Touristeninformation nachfragen.



Wir parkten unser Auto am Friedhof und liefen Richtung Strand. Von hier kommt man auch zum Steinzeithaus, kann jedoch den schöneren Weg am Meer entlang nehmen.









Leider war das Steinzeithaus nicht mehr geöffnet und wir machten uns über die kurvige und abwechslungsreiche Straße zurück auf den Weg Richtung B8059 und weiter auf die B8011 nach Garrynahine/Gearraidh na h-Aihne und weiter über die A858 nach Stornoway. Hier gönnten wir uns ein leckeres Abendessen im HS-1 (Homepage). Vor allem die Muschelgerichte und Fischgerichte sind empfehlenswert. Nach dieser Stärkung ging es zurück zu unserem B&B in Barabhas/Barvas.

Sonntag, 23. März 2014

Schottland Rundreise 2013 - Tag 4

Tag 4 - Butt of Lewis/Port of Ness - Stornoway - Carlabhagh/Carloway - Calanais/Callanish - Barabhas/Baravas (113 km)



Good morning Scotland und all seinen Schafen! Ein genüssliches Gras abreißen direkt an der Zeltwand beförderte uns aus dem Schlaf. Zum Glück hatten diese kleinen, weißen Plagegeister keiner unserer Heringe aus dem Boden befördert. Uns erwartete ein bedeckter und sehr windiger Morgen. Keine Wetterbedingungen bei denen man sein Frühstück in freier Natur zelebrieren möchte. Daher packten wir unsere sieben Sachen und verstauten das Zelt wieder im Auto. Einen Tag zuvor hatten wir das kleine Café (TripAdvisor) in der Bibliothek von Stornoway entdeckt und wollten dort eine Kleinigkeit zum Frühstück besorgen. Zurück auf der A857, die wir den Tag zuvor hergefahren waren, fuhren wir vorbei an der wenig spektakulären Landschaft und erreichten Stornoway nach knapp einer Stunde. Parken kann man sehr verkehrsgünstig, direkt an der A857, hinter der Touristeninformation. Von hier erreicht man alle Geschäfte sehr schnell.


Größere Kartenansicht

Die kleine Bibliothek befindet sich nicht weit vom Parkplatz in der 19 Cromwell Street. Wie man es aus Großbritannien kennt, warteten schon ein paar ältere Damen vor dem Café, um ihren gewohnten Scone mit Tee zu genießen. Die Auswahl an Cupcakes, Scones und anderem Gebäck ist wirklich gut und auch Kaffee und heiße Schokolade kann man gut genießen. Während wir uns diesen Genüssen hingaben, planten wir die Besichtigungspunkte unserer heutigen Tour. Ganz oben sollten der Broch Dun Carloway (Dùn Chàrlabhaigh) und die Anlage von Callanish (Clachan Chalanais) stehen.

Die Standing Stones von Callanish wollten wir unbedingt bei untergehender Sonne besuchen, daher machten wir uns zuerst zum Broch Dun Carloway auf. Dazu verließen wir Stornoway in westlicher Richtung auf der A857 bis Barabhas und weiter nach Süden auf der A858 bis nach Carloway/Carlabhagh. In dem kleinen Ort Bragar kann man eine kleine Rarität bewundern: Den sogenannten "Whalebone Arch" (Homepage). Kommt man aus nördlicher Richtung liegt dieser auf der rechten Seite und ist fast nicht zu übersehen. 


Größere Kartenansicht

Der Bogen besteht aus den Unterkieferknochen eines Blauwales und stammen von einem im Jahr 1920 gestrandeten Tier. Die Harpune die den Bogen schmückt, steckte noch im Walkopf, zum Glück war die Sprengladung mit der die Harpune bestückt war, nicht explodiert. Daher waren sowohl die Harpune, als auch der Wal intakt geblieben.


Unsere Fahrt führte uns weiter über die A858 bis nach Carloway. Dùn Chàrlabhaigh (Wikipedia) ist ein erstaunlich gut erhaltener Broch, bei dem Teile der östlichen Mauer immer noch eine Höhe von neun Metern erreichen. 



Nach Durchführung verschiedener Untersuchungen geht man davon aus, dass das Gebäude im 1. Jahrhundert vor Christus erbaut wurde.  Die Basis des Brochs misst 14 bis 15 Meter im Durchmesser und die Mauern sind etwa drei Meter dick. Der Grundriss ist kreisförmig und besteht aus hohlen Wänden, er hatte wahrscheinlich hölzerne Böden, Innenwände und ein Strohdach. Nur eine kleine Holztür führte nach draußen.
Öffnungszeiten: Mai-September, Montag-Samstag, 10-17 Uhr









Ebenfalls in Carloway befindet sich das restaurierte "Blackhouse Village Gearrannan" (TripAdvisor). Das Freilichtmuseum besteht aus neun sogenannten Blackhouses,("schwarze Häuser", weil die Feuerstelle den Innenraum immer verruste) die bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg die typische Hausform der Landpächter waren. Im Jahre 1969 zog der letzte Pächter aus einem der Häuser aus und diese verfielen mit der Zeit. Diese Siedlung war bis zu ihrer Aufgabe die letzte Gruppe bewohnter Blackhouses. Im Jahre 1989 begann der Garenin Trust die Häuser zu restaurieren und nach über 10 Jahren konnte das Freilichtmuseum eröffnet werden.



Eines der Wohnhäuser ist liebevoll mit der Original-Einrichtung der letzten Bewohner eingerichtet. Interessant: In diesem Modell-Haus darf noch die begehrte Wolle für den Harris Tweed gesponnen werden. Dieses Privileg erstreckt sich nur auf die Insel Lewis und Harris (eigentlich EINE Insel, die nur in Nord und Süd getrennt wurde) und ist lediglich Bewohnern AUF der Insel erlaubt. Zudem muss man jahrelange Erfahrung im Spinnen und Weben haben, um für den Harris Tweed Wolle liefern zu dürfen. Daher stehen die Chancen gut, dass man jemanden am uralten Webstuhl sitzen sieht, der mit lautem Klappern und flinken Händen Wolle bearbeitet!  Man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt! Wohlige Wärme strahlt die kleine Feuerstelle im Haus ab, in der traditionell getrockneter Torf verbrannt wird und den typisch Geruch verbreitet.
Das Bett mit original Wärmflasche sieht allerdings nicht gerade gemütlicher aus als unsere Thermarestmatten.











In einem anderen der neun Häuser ist das Besucherzentrum mit Museumskasse, Shop und Cafe untergebracht.
Öffnungszeiten: Mai-September, Montag-Samstag, 9:30-17:30 Uhr, 2.50 GBP

Hat man das Dorf einmal durchquert, kann man es am anderen Ende über einen kleinen Weg verlassen und hinauf auf die Klippe wandern. Von hier hat man einen wunderschönen Blick über das Meer und das unterhalb liegende Blackhouses Dorf.






HIGHLIGHT: CALLANISH STEINKREIS
Fährt man die A858 weiter in südliche Richtung, erreicht man nach etwa 15 Minuten die Anlage von Callanish. Der Parkplatz von Callanish I (Hauptanlage) liegt unterhalb des Steinzirkels und ein schmaler Weg führt den kleinen Berg hinauf. Ist man oben angekommen, bekommt man einen Überblick über Anordnung des Steinzirkels und seine umgebende Landschaft. Am Parkplatz wurde ein nettes Besucherzentrum errichtet.


Größere Kartenansicht



Die Steine von Callanish sind die größte heute bekannte Steinformation der Megalithkultur auf den britischen Inseln. Die Hauptanlage Callanish I verläuft annährend kreuzförmig, mit einer nord-südlichen Ausrichtung. Der innere Kreuzpunkt besteht aus einem eiförmigen Steinkreis mit einem zentralen Monolithen und einem kleinen "Steinmännchen" (Cairn). Der Steinkreis hat eine Ost-West Achse, wobei die westliche Seite des Steinkreises ein echter Halbkreis ist und die östliche Hälfte leicht abgeflacht wirkt. Der nördliche Teil des Kreuzes wird durch eine Steinallee gebildet, die sich gegen den Steinkreis verengt.





Wir besuchten die Steine einen Tag vor der Sommersonnenwende und ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Hippies auf einmal gesehen. Überall mit Blumen geschmückte VW Busse (erstaunlich wie viele alte Bullies hier herum fahren!) und auch hier konnte man dem 60-er Jahre Lebensstil nicht ganz aus dem Weg gehen. So stand ein Hippie mit seinen Bongos in der Mitte des Steinkreises und trommelte sich in Trance... Irgendwann schien er genug zu haben und wir konnten die Ruhe und Einmaligkeit dieser mystischen Anlage genießen, auch wenn die Akustik durch die Bongos eine interessante Erfahrung war. Je später es wurde, desto länger streckten sich die Schatten der Menhire ins grüne Gras. Die am Horizont stehende Sonne ließ die Minerale im Granit funkeln und jede Minute schienen die Säulen sich zu verändern. Man konnte den Steinkreis zig mal umrunden und jedes Mal ergab sich ein neues faszinierendes Bild im Zusammenspiel mit den benachbarten Steinen, der umgebenden grünen Hügeln und blau leuchtenden Lochs. Zu gerne hätten wir hier gezeltet, aber leider ist das (verständlicherweise) nicht gestattet.








Sollte jemand Nessi vermisst haben, wir haben die Kleine natürlich nicht Zuhause gelassen, sondern sie durfte auch dieses Jahr wieder mit auf Tour gehen und alle Orte miterkunden.


Nach einer Nacht im Zelt entschieden wir uns, die nächsten beiden Nächte in einem B&B zu verbringen und von dort unsere Touren zu starten. Auf der Fahrt am Morgen, hatten wir ein kleines B&B an der Straße in Barabhas gesehen. Zufrieden und glücklich über perfekte Bilder vom Steinkreis, führte uns unsere Tour zurück über die A858 nach Barabhas zum Rockvilla B&B (Homepage).


Größere Kartenansicht

Wir bezogen ein gemütliches Zweibettzimmer inklusive eigenem Bad. Aber zuallererst wurden wir mit einem leckeren, frischgebackenem Kuchen begrüßt. So konnte der gemütliche Teil des Tages beginnen... Fotos sortieren und Notizen zur Reise erstellen.