Sonntag, 23. März 2014

Schottland Rundreise 2013 - Tag 4

Tag 4 - Butt of Lewis/Port of Ness - Stornoway - Carlabhagh/Carloway - Calanais/Callanish - Barabhas/Baravas (113 km)



Good morning Scotland und all seinen Schafen! Ein genüssliches Gras abreißen direkt neben der Zeltwand beförderte uns aus dem Schlaf. Zum Glück hatten diese kleinen, weißen Plagegeister keiner unserer Heringe aus dem Boden befördert. Uns erwartete ein bedeckter und sehr windiger Morgen mit Wellenrauschen direkt unter der Klippe. Keine Wetterbedingungen bei denen man sein Frühstück in freier Natur zelebrieren möchte. Daher packten wir unsere sieben Sachen und verstauten das Zelt wieder im Auto. Einen Tag zuvor hatten wir das kleine Café (TripAdvisor) in der Bibliothek von Stornoway entdeckt und wollten dort eine Kleinigkeit zum Frühstück besorgen. Zurück auf der A857, die wir den Tag zuvor hergefahren waren, fuhren wir vorbei an der wenig spektakulären Landschaft und erreichten Stornoway nach knapp einer Stunde. Parken kann man sehr verkehrsgünstig, direkt an der A857, hinter der Touristeninformation. Von hier erreicht man alle Geschäfte sehr schnell.


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Die kleine Bibliothek befindet sich nicht weit vom Parkplatz in der 19 Cromwell Street. Wie man es aus Großbritannien kennt, warteten schon ein paar ältere Damen vor dem Café, um ihren gewohnten Scone mit Tee zu genießen. Die Auswahl an Cupcakes, Scones und anderem Gebäck ist wirklich gut und auch Kaffee und heiße Schokolade kann man gut genießen. Während wir uns diesen Genüssen hingaben, planten wir die Besichtigungspunkte unserer heutigen Tour. Ganz oben sollten der Broch Dun Carloway (Dùn Chàrlabhaigh) und der berühmte Steinkreis der Anlage von Callanish (Clachan Chalanais) stehen.

Die Standing Stones von Callanish wollten wir unbedingt einen Tag vor der Sonnenwende bei untergehender Sonne besuchen, daher machten wir uns zuerst zum Broch Dun Carloway (runder eisenzeitlicher Wohn-Turm) auf. Dazu verließen wir Stornoway in westlicher Richtung auf der A857 bis Barabhas und weiter nach Süden auf der A858 bis nach Carloway/Carlabhagh. In dem kleinen Ort Bragar kann man eine kleine Rarität bewundern: Den sogenannten "Whalebone Arch" (Homepage). Kommt man aus nördlicher Richtung liegt dieser auf der rechten Seite und ist fast nicht zu übersehen. 


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Der Bogen besteht aus den Unterkieferknochen eines Blauwales und stammt von einem im Jahr 1920 gestrandeten Tier. Die Harpune die den Bogen schmückt, steckte noch im Walkopf, zum Glück war die Sprengladung mit der die Harpune bestückt wurde, nicht explodiert. Daher waren sowohl die Harpune, als auch der Wal intakt geblieben.


Unsere Fahrt führte uns weiter über die A858 bis nach Carloway. Dùn Chàrlabhaigh (Wikipedia) ist ein erstaunlich gut erhaltener Broch, bei dem Teile der östlichen Mauer immer noch eine Höhe von neun Metern erreichen. 



Nach Durchführung verschiedener Untersuchungen geht man davon aus, dass das Gebäude im 1. Jahrhundert vor Christus erbaut wurde.  Die Basis des Brochs misst 14 bis 15 Meter im Durchmesser und die Mauern sind etwa drei Meter dick. Der Grundriss ist kreisförmig und besteht aus hohlen Wänden, er hatte wahrscheinlich hölzerne Böden, Innenwände und ein Strohdach. Nur eine kleine Holztür führte nach draußen. Ein Broch diente als Wohn-Behausung und Schutzort. Das Vieh wurde dort gehalten und das Leben spielte sich großenteils dort ab. Im kleinen Museum nebenan kann man sich darüber anschualich informieren.
Öffnungszeiten: Mai-September, Montag-Samstag, 10-17 Uhr









Ebenfalls in Carloway befindet sich das restaurierte "Blackhouse Village Gearrannan" (TripAdvisor). Das Freilichtmuseum besteht aus neun sogenannten Blackhouses,("schwarze Häuser", weil die Feuerstelle den Innenraum verruste) die bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg die typische Hausform der Landpächter waren. Im Jahre 1969 zog der letzte Pächter aus einem der Häuser aus und diese verfielen mit der Zeit. Diese Siedlung war bis zu ihrer Aufgabe die letzte Gruppe bewohnter Blackhouses. Im Jahre 1989 begann der Garenin Trust die Häuser detailreich zu restaurieren und nach über 10 Jahren konnte das Freilichtmuseum eröffnet werden.



Eines der Wohnhäuser ist liebevoll mit der Original-Einrichtung der letzten Bewohner eingerichtet. Interessant: In diesem Modell-Haus darf noch die begehrte Wolle für den Harris Tweed gesponnen werden. Dieses Privileg erstreckt sich nur auf die Insel Lewis und Harris (eigentlich EINE Insel, die nur in Nord und Süd getrennt wurde) und ist lediglich Bewohnern AUF der Insel erlaubt (Korrektur: alle Bewohner der äußeren Hebriden dürfen ihren Beitrag leisten). Zudem muss man jahrelange Erfahrung im Spinnen und Weben haben, um für den Harris Tweed Wolle liefern zu dürfen. Daher stehen die Chancen gut, dass man jemanden am uralten Webstuhl sitzen sieht, der mit lautem Klappern und flinken Händen Wolle bearbeitet!  Man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt! Wohlige Wärme strahlt die kleine Feuerstelle im Haus ab, in der traditionell getrockneter Torf verbrannt wird und den typischen Geruch verbreitet.
Das Bett mit original Wärmflasche sieht allerdings nicht gerade gemütlicher aus als unsere Thermarestmatten.











In einem anderen der neun Häuser ist das Besucherzentrum mit Museumskasse, Shop und Cafe untergebracht. Man kann sich in einige der restaurierten Häuser einmieten und seinen Urlaub dort verbringen.
Öffnungszeiten: Mai-September, Montag-Samstag, 9:30-17:30 Uhr, 2.50 GBP

Hat man das Dorf einmal durchquert, kann man es am anderen Ende über einen kleinen Weg verlassen und hinauf auf die Klippe wandern. Von hier hat man einen wunderschönen Blick über das Meer und das unterhalb liegende Blackhouses Dorf.






HIGHLIGHT: CALLANISH STEINKREIS
Fährt man die A858 weiter in südliche Richtung, erreicht man nach etwa 15 Minuten die Anlage von Callanish. Der Parkplatz von Callanish I (Hauptanlage) liegt unterhalb des Steinzirkels und ein schmaler Weg führt den kleinen Berg hinauf. Ist man oben angekommen, bekommt man einen Überblick über Anordnung des Steinzirkels und seine umgebende Landschaft. Am Parkplatz wurde ein hübsches Besucherzentrum errichtet.


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Die Steine von Callanish sind die größte heute bekannte Steinformation der Megalithkultur auf den britischen Inseln. Die Hauptanlage Callanish I verläuft annährend kreuzförmig, mit einer nord-südlichen Ausrichtung. Der innere Kreuzpunkt besteht aus einem eiförmigen Steinkreis mit einem zentralen Monolithen und einem kleinen "Steinmännchen" (Cairn). Der Steinkreis hat eine Ost-West Achse, wobei die westliche Seite des Steinkreises ein echter Halbkreis ist und die östliche Hälfte leicht abgeflacht wirkt. Der nördliche Teil des Kreuzes wird durch eine Steinallee gebildet, die sich gegen den Steinkreis verengt.





Wir besuchten die Steine einen Tag vor der Sommersonnenwende und ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Hippies auf einmal gesehen. Überall mit Blumen geschmückte VW Busse (erstaunlich wie viele alte Bullies hier herum fahren!) und auch hier konnte man dem 60-er Jahre Lebensstil nicht ganz aus dem Weg gehen. So stand ein Hippie mit seinen Bongos in der Mitte des Steinkreises und trommelte sich in Trance... Irgendwann schien er genug zu haben und wir konnten die Ruhe und Einmaligkeit dieser mystischen Anlage genießen, auch wenn die Akustik durch die Bongos eine interessante Erfahrung war. Je später es wurde, desto länger streckten sich die Schatten der Menhire ins grüne Gras. Die am Horizont stehende Sonne ließ die Minerale im Granit funkeln und jede Minute schienen die Säulen sich zu verändern. Man konnte den Steinkreis zig mal umrunden und jedes Mal ergab sich ein neues faszinierendes Bild im Zusammenspiel mit den benachbarten Steinen, der umgebenden grünen Hügeln und blau leuchtenden Lochs. Zu gerne hätten wir hier gezeltet, aber leider ist das (verständlicherweise) nicht gestattet.








Sollte jemand Nessi vermisst haben, wir haben die Kleine natürlich nicht Zuhause gelassen, sondern sie durfte auch dieses Jahr wieder mit auf Tour gehen und alle Orte miterkunden.


Nach einer Nacht im Zelt entschieden wir uns, die nächsten beiden Nächte in einem B&B zu verbringen und von dort unsere Touren zu starten. Auf der Fahrt am Morgen, hatten wir ein kleines B&B an der Straße in Barabhas gesehen. Zufrieden und glücklich über perfekte Bilder vom Steinkreis, führte uns unsere Tour zurück über die A858 nach Barabhas zum Rockvilla B&B (Homepage).


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Wir bezogen ein gemütliches Zweibettzimmer inklusive eigenem Bad. Aber zuallererst wurden wir mit einem leckeren, frischgebackenem Kuchen begrüßt. So konnte der gemütliche Teil des Tages beginnen... Fotos sortieren und Notizen zur Reise erstellen.

 

Samstag, 22. März 2014

Schottland Rundreise 2013 - Tag 3

Tag 3 - Ullapool - Stornoway (Isle of Lewis) - Ballantrushal - Port Nis - Butt of Lewis (132 km)



Der dritte Tag begann mit einem leckeren Frühstück in unserem B&B in Ullapool. Die Vermieter legen sehr viel Wert auf gesunde und meist selbsterzeugte Lebensmittel und bringen diese liebevoll auf den Tisch. Man sitzt im urigen Esszimmer, indem viele alte und interessante Gegenstände verteilt sind. Während man das Frühstück genießt, wird Marmelade gekocht. Auch der Kaffee war trinkbar und für schottische Verhältnisse außergewöhnlich gut.

Nachdem wir ausreichend gestärkt waren, wurden schnell die Koffer gepackt, das Auto an der einzigen örtlichen Tankstelle betankt und danach Richtung Fähre aufgebrochen. Zuerst parkt man sein Auto auf dem fähreigenen Parkplatz auf den man durch den Platzanweiser verwiesen wird. Um 9:50 Uhr sollten wir dann wieder an unserem Auto und abfahrbereit sein. Die Fähre legte pünktlich um 10:25 Uhr ab.



Hat man den Hafen von Ullapool erst einmal verlassen, so bekommt man einen schönen Rundumblick über das kleine Ullapool und seine Umgebung.



Für die Üerfahrt nach Stornoway haben wir einen sehr sonnigen Tag erwischt und konnten die gesamte Fahrt beinahe einsam auf dem "Sonnendeck" verbringen.




Nach drei sonnigen Stunden erreichten wir Stornoway auf der Isle of Lewis. Das Örtchen ist eines der typischen abgelegenen schottischen Hafenstädtchen. Ein paar Pubs, ein Paar Supermärkte wo man alles Nötige bekommt, ein paar Lädchen, die mehr oder weniger regionale Produkte anpreisen und ein paar Souvenirshops. Nett war die kleine öffentliche Bibliothek, in der man freies WLAN erhält, wenn man höflich nach dem tagesaktuellen Passwort fragt. Auch das Café dort war ok.

Das berühmteste Produkt von Stornoway ist natürlich der Stornoway Black Pudding! Angeblich ist das die beste Wurst, die UK zu bieten hat. Es schmeckte ganz ok :).



Unser erster Halt in Stornoway war der gegenüber dem Fährterminal liegende Tesco Supermarkt. Dort wurde noch schnell etwas Reiseproviant für die Campingnacht besorgt. Bei dem unerwartet schönen Wetter wurde spontan ein leckeres Barbecue organisiert, inkl Einweggrill, Brottaschen und leckerem Fleich. Jetzt konnte die Reise weiter gehen Richtung Point of Ness.

Wir verließen die Hafenstadt über die A857 Richtung Barabhas in nordwestliche Richtung. Von dort fuhren wir weiter die A857 entlang in nördliche Richtung. Am Loch an Duin findet man die Reste eines Steinkreises und des Steinacleit Cairns, einem Kammergrab. Parken kann man direkt neben Loch an Duin und von dort führt ein unbefestigter Weg zu den prähistorischen Überresten.


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Zuerst wird am Eingang vor dem Bullen gewarnt... Wir haben auf der ganzen Weide keinen Bullen gefunden. Das war vielleicht auch sicherer für uns...



Sehr viel ist von dem Steinkreis nicht mehr zu sehen, man kann nur erahnen wie es mal ausgesehen haben muss, errichtet wurde er 3000 vor Christus, die Bauwerke haben also schon 5000 Jahre auf dem steinigen Buckel. Alten Legenden nach, befand sich an dieser Stelle auch ein großes Schlachtfeld. Die Rundumsicht über die Insel war jedenfalls reizend.





Nachdem diese historische Stätte von allen Seiten erkundet worden war, ging es zurück zum Auto, auch hier konnte wieder kein Bulle gesichtet werden und die Fahrt wurde Richtung Norden fortgesetzt.

Wir parkten unseren Wagen oberhalb von Port of Ness, am Rande des Naturreservates und wanderten von hier Richtung Küste und dem bekannten Leuchtturm"Butt of Lewis", dem nördlichsten Punkt der Insel. Hier trifft der Atlantik mit voller Wucht auf die Insel. Wir hatten jedoch schönstes Wetter und von peitschenden Wellen nichts gesehen.


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Die wunderschöne Küstenlandschaft ist die Heimat vieler verschiedener Vogelarten, die hier um diese Jahreszeit brüten. Angeblich gibt es auch Kolonien von Papageientauchern (Puffins), aber wir haben auch hier mal wieder keine entdeckt. So langsam nährt sich der Verdacht diese Vögel sind ein Mythos!





Über eine kleine Brücke gelangt man zu einer vorgelagerten Insel, die zum Verweilen und Vogelbeobachtung einlädt. Neben Lachmöwen, kann man Austernfischer und andere Seevögel bei spektakulären Luftmanövern bestaunen. OK, die Vögel die wir abgelichtet haben, haben gerade eine kleine Verschnaufpause eingelegt.





Wir waren uns einig, dass wir hier den perfekten Ort zum Übernachten gefunden haben. Beim lokalen Wildhüter hatten wir uns vorher erkundigt, ob wir im Gebiet unser Zelt aufschlagen dürfen. Nachdem wir versprochen hatte, den Vögeln und ihren Nestern nicht zu nahe zu kommen, durften wir für diese Nacht bleiben. Neben einigen Schafen, Blick auf die See und direkt an der Klippe, wurde kurzerhand das Zelt plus Equipment aufgebaut.






Wenn das mal keine romantische Stelle zum campen ist!! Nachdem unser Nachtlager stand, wurde der Grill angeheizt und die leckeren Steaks zubereitet. Bei der frischen Luft schmeckte alles nochmal so gut. OK, wir mussten unsere Pappteller schon ein wenig festhalten und man sollte immer einen kleinen Rest auf dem Teller zurück lassen, sonst war dieser in Nullkommanichts davon geweht. Lektion für das nächste Mal Grillen: Den Einweggrill auf Steine legen, sonst ist das Gras unten drunter verbrannt. Außerdem muss man echt aufpassen, das die Möwen nichts vom Grill stibitzen!

Zum Abschluss dieses schönen Tages machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Leuchtturm "Butt of Lewis". Nachdem wir unser "Basislager" verlassen hatten, kamen diese unglaublich neugierigen Schafe und untersuchten alles, was normalerweise nicht auf ihrer Weide steht.


Zum Glück geht um diese Jahreszeit die Sonne praktisch nicht unter und wir erreichten den Leuchtturm noch im Hellen. Dieser stammt aus dem Jahr 1862 und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Hier ist man wirklich fast am Ende der Welt. Ein guter Ort um die Kameraausrüstung zu testen :)



Zurück am Lager kuschelten wir uns in unser Zelt und ließen den Tag Revue passieren. Trotz der vielen blökenden Schafe hatten wir eine erholsame Nacht. Das monotone Rauschen der Wellen, die unter uns an die Klippen schlugen und die Schreie der Möwen und Austernfischer (Oystercatcher) waren das beste Schlaflied!