Sonntag, 27. April 2014

Schottland Rundreise 2013 - Tag 6

Tag 6 - Barabhas/Barvas - Leverburgh - Tarbert - Drinisader- Leverburgh (180 km)


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Heute sollte unsere Reise von der Isle of Lewis auf die Isle of Harris führen. Das Besondere an dieser Tour ist, dass man nicht mal ein Boot benötigt, da es sich genau genommen um die gleiche Insel handelt, es also nur eine gedachte Trennung ist. 

Am frühen Morgen wurde unser Auto wieder bepackt und reisebreit gemacht. Soweit sieht auch noch alles recht ordentlich aus...


Leider war das Wetter nicht so schön, wie die Tage zuvor und der Blick aus dem B&B in Barvas/Barabhas fiel auf eine Nebelwand.


Nach einem umfangreichen Frühstück machten wir uns auf der A857 Richtung Stornoway auf den Weg. Von hier nahmen wir die A859 in südliche Richtung bis nach Tarbert. Der Unterschied zwischen Lewis und Harris zeigt sich am einfachsten an zwei Vergleichsbildern:



Lewis ist flach, durch weitläufige Torflandschaften geprägt. Sobald man den Teil von Harris erreicht hat, zeigen sich die ersten Hügel am Horizont. Nessie fühlte sich jedenfalls pudelwohl.


Leider hatte sich das Wetter nicht mit der Landschaft geändert und so fuhren wir durch Tarbert durch, weiter auf der westlichen Seite der A859 Richtung Seilebost. Hier auf dieser Seite der Inseln befinden sich wieder wunderschöne Sandstrände mit türkisfarbenem Meer. Die sogenannte Straße "Bays Road/Golden Road" führt direkt auf einen der größten Strände "Tràigh Losgaintir" zu und weiter an der Atlantikküste entlang, bis man zum östlichen Teil der A859 kommt.






Wir folgten der Straße weiter nach Taobh Tuath bis nach Leverburgh. Hier fanden wir im Caberfeidh House (nethotels.com) eine Bleibe für die Nacht.


Der Tag war noch jung und das Wetter leider immer noch sehr bescheiden, daher wollten wir noch einen Laden besuchen, in dem man den wunderschönen Original Harris Tweed kaufen kann. Laut dem im Jahr 1993 verfassten "Harris Tweed Act" handelt es sich hierbei um Stoff aus reiner Schurwolle, die auf den äußeren Hebriden gefärbt und gesponnen wurde und von Hand durch Einwohner der Inseln Lewis, Harris, Uist und Barra in deren Wohnhäusern gewebt wurde: 

“Harris Tweed is cloth that has been handwoven by the islanders of Lewis, Harris, Uist and Barra in their homes, using pure virgin wool that has been dyed and spun in the Outer Hebrides.”

Zunächst fuhren wir weiter die östliche A859 Richtung Tarbert. Dieser Teil von Harris wirkt sehr unwirtlich und erinnert stark an die Mondlandschaft. Die kargen Felsen bilden eine ganz eigene Atmosphäre und die kleine Single Track Road verbindet einzelne Ortschaften auf dieser Seite der Insel, die auf der Karte viel größer eingezeichnet sind, als sie dann in Wirklichkeit sind. Das Meer findet man auf beiden Seiten der Insel, aber der Atlantik ist hier deutlich wilder, auch Delphine, Wale, Otter und Seehunde soll man auf dieser Seite der Insel sehen können. 

Unser Ziel war der Harris Tweed and Knitwear shop (Online Shop) in Drinisader. Hier findet man eine große Auswahl an Jacken, Taschen, Geldbörsen und vielen anderen Geschenkideen aus Harris Tweed. Zudem gibt es eine kleine Ausstellung über die Verwendung von Harris Tweed in der haute couture. Wer mehr über die Farben und deren Verbindung zur Landschaft wissen möchte, dem sei das Buch "From the Land Comes the Cloth: Harris Tweed" von Ian Lawson (Buchvorschau) ans Herz gelegt. Ein wunderschöner Bildband über die verschiedenen Muster und Farben des Harris Tweeds, die der Autor in Kontrast setzt zur Landschaft der Äußeren Hebriden.

Natürlich wurden wir in diesem schönen Laden fündig und eine neue Handtasche, ein passendes Portemonnaie und ein Schlüsselanhänger fanden ein neues Zuhause. Die Preise für Jacken, Mützen etc. sind schon recht hoch, aber es ist eben wirklich alles per Hand gemacht. Unsere Errungenschaften mussten bei einem Kaffee mit Kuchen gefeiert werden. Dazu fuhren wir zurück nach Tarbert und kehrten dort in den First Fruits Tearoom (TripAdvisor) ein. Hier gibt es in uriger Atmosphäre neben echt gutem Kaffee, eine gigantische Auswahl an selbstgemachten Kuchen, Muffins und Shortbred. Sehr empfehlenswert und man kann die schrulligen Einheimischen beobachten.

Viel kann man in Tarbert nicht unternehmen. Neben einem kleinen Laden und einem Geldautomaten, gibt es noch die örtliche Touristeninformation, in der die Harris Tweed Stück im Durchschnitt 10,- GBP teurer sind als im Direktverkauf.

Interessant wird Tarbert für Leute die St Kilda besuchen möchten (Wikipedia: St. Kilda ist eine isolierte vulkanische Inselgruppe, die zu Schottland gehört. Die Inseln liegen rund 64 Kilometer westnordwestlich von North Uist im Nordatlantik und sind die westlichsten Inseln der Äußeren Hebriden). Ein Tagestrip kostet etwa 190,- GBP und dauert etwa 12 Stunden. Darin sind 4 Stunden Hin- und 4 Stunden Rückfahrt enthalten. Zur Beobachtung der größten Puffinpopulation (etwa 140.000 Paare Papageientaucher), Basstölpel u. Eissturmvögel  bleiben daher leider nur etwa 4 Stunden. Das ehemalige Dorf auf St. Kilda ist noch vorhanden, der National Trust of Scotland hat einige Häuser restauriert, aber ansonsten gehört die Insel einzig den Vögeln. Hin und wieder werden mehrtägige Fototouren von einem Photographen aus Skye angeboten.

Zurück in unserem B&B in Leverburgh blieb uns genug Zeit für ein kurzes Päuschen, bevor wir ins Restaurant "Anchorage" (TripAdvisor) aufgebrochen sind. Direkt am Hafen gelegen, hatten wir einen Logenplatz am Fenster und konnten 30m weit in den Nebel gucken. Das Essen war vorzüglich, wir hatten beide etwas von der Tageskarte: Filet vom schottischen fangfrischen Lachs und "Monkfish" - ebenso frisch gefangen aus dem "Sound of Harris" (Meeresenge zwischen Uist und Harris). Ein Bier von der Destillerie Red Cuillins (Skye) kostet 4.50 GBP - eine Cola 1.50 GBP. In der Hauptsaison sollte man besser einen Tisch reservieren.

Das freundliche Angebot eines Fischers am nächsten Morgen auf seinem Boot zum Fischen mitzufahren mussten wir  ausschlagen. Wir hätten um drei Uhr morgens am Boot sein müssen... Aber spannend wäre es mal gewesen. ;-) 

Zurück im B&B hatten wir weder Fernseher noch Internet, daher gab es noch Zeit zum Tagebuch schreiben und Bilder sichern. Morgen geht es um 11:40 Uhr auf die Fähre nach North Uist.

Sonntag, 13. April 2014

Schottland Rundreise 2013 - Tag 5

Tag 5 - Barabhas/Barvas - Uig Sands - Abhainn Dearg Distillery - Bosta/Bostadh (Great Bernera) - Barabhas/Barvas (165 km)


An unserem fünften Reisetag versprach die Wettervorhersage recht gutes Wetter für die Isle of Lewis und einem Ausflug zu den weltbekannten Uig Sands/Tràigh Uuige (TripAdvisor) stand nichts im Wege. Von Barvas/Barabhas sind es etwa 60km (1 Stunde Fahrt) bis zum größten und bekanntesten Sandstrand der Isle of Lewis. Bei Ebbe zieht sich hier das türkisfarbene Meer über eine Meile zurück und legt den goldenen Sandstrand frei, an dem man dann wunderschöne Spaziergänge unternehmen kann. Zunächst fuhren wir die uns bereits bekannte A858 in südliche Richtung bis nach Garrynahine/Gearraidh na h-Aihne und bogen dann westwärts auf die B8011 die bis nach Timsgearraidh/Timsgarry führt.  Hat man Timsgearraidh erreicht, liegt die Bucht direkt unterhalb und den einfachsten Zugang zum Strand erhält man in der Nähe des Campingplatzes (VisitScotland), wo man auch sein Auto abstellen kann.



Die Wettervorhersage hatte nicht zuviel versprochen und so zeigte sich nach einem kurzem Schauer wieder die Sonne. Der feinkörnige Sand fühlt sich unglaublich an den nackten Füßen an und jeder sollte einmal durch das seichte, kalte Wasser gewartet sein. Der Peeling Effekt ist garantiert! Es soll auch Leute geben, die sich trotz kühler Temperaturen komplett in die Fluten stürzen...10 Grad mehr und ein paar Palmen und niemand bräuchte in die Karibik fliegen.



Der Strand ist aber nicht nur wegen seiner Weitläufigkeit bekannt, sondern wird auch immer in Bezug auf die Lewis Chessmen (Wikipedia) genannt. Im Jahre 1831 soll an diesem Strand ein Schäfer eine größere Anzahl von Schachfiguren entdeckt haben. Diesen Gesellen haben wir am Straßenrand in der Nähe des Campingplatzes entdeckt. War gar nicht so schwer diese Chessmen aufzuspüren und wir mussten nicht mal im Sand buddeln... ;-) In der Gegend sind noch weitere als große Holzreplika an verschiedenen Stellen aufgestellt worden.


Diese als Lewis Chessmen bekannten Schachfiguren wurden aus Walross-Elfenbein gefertigt und stammen vermutlich aus Norwegen (12. Jahrhundert). Heutzutage kann man einige der Originale im British Museum in London oder im Schottischen Nationalmuseum in Edinburgh (Homepage) besichtigen. Wem Replika reichen und noch etwas über die Lebensweise an diesem Ort erfahren möchte, sollte unbedingt die örtliche Schule von Timsgearraidh besuchen, neben dieser befindet sich das "Uig Heritage Centre" (Homepage).
Öffnungszeiten: Juni-September, Montag-Samstag, 12-17 Uhr, Eintritt 1 GBP


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Neben der Entdeckungsgeschichte der Lewis Chessmen, bekommt man hier einen genauen Einblick in die Lebensweise der Ureinwohner und die Austellung beherbergt viele Gegenstände aus den sogenannten Blackhouses. Sollten dann noch Fragen offen sein, stehen die Mitarbeiter aus der Region gerne für jede noch erdenkliche Frage bereit. Außerdem gibt es noch ein Teahouse zur Stärkung.

Nachdem dieser Programmpunkt abgehakt werden konnte, wollten wir die hier ansässige junge Whisky Destillerie besuchen. Laut verschiedenen Fachbüchern wird in dieser Ecke der Insel ein sehr guter Whisky gebrannt. Jetzt musste nur noch die Destillerie gefunden werden und das gestaltete sich etwas schwieriger als erwartet, da es keines der üblichen braunen Straßenschilder für die Brennerei gab und ein Postcode bei einer Straßenkarte auch nicht wirklich half. Wir umrundeten Uig Sands ein weiteres Mal und wurden mit einem wunderschönen Blick über diese wunderschöne Bucht belohnt.






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Die Destillerie gibt es seit 2008 und ist die erste "legale" Brennerei auf den Äußeren Hebriden. Hier wird alles noch per Hand gemacht, sogar die Abfüllung. Als wir ankamen, war eine kleine dänische Gruppe vor uns, so hatten wir Zeit uns eigenständig in dem kleinen Produktionsraum umzusehen. Auf kleinstem Raum ist alles vorhanden, was man auch in einer großen Destillerie findet... um uns bei Laune zu halten, durften wir ausgiebig den produzierten Whisky probieren. Startzeiten für Führungen gibt es nicht, wenn jemand vorbeikommt, wird er gerne in die Kunst des Whisky brennens eingeführt. Sollte eine Gruppe vor einem sein, kann man sich anschließen oder die paar Minuten warten, sich umsehen und Whisky testen. Der Besitzer Mark Tayburn höchstpersönlich belebt die sterile und nüchterne Umgebung mit seinen Geschichten um seinen Whisky. Persönlicher Kontakt wird hier groß geschrieben, ist man mit dem Brennmeister erstmal auf einer Wellenlänge wird einem auch der gälische Vorname verraten.
Warum ist die Destillerie so schwer zu finden? Nun, auch in diesem abgelegenen Winkel wiehert der Amtsschimmel und es ist nicht gestattet Schilder aufzustellen, da die Straßen so schmal sind, das diese ein Risiko darstellen könnten.
Den bei anderen Destillerien üblichen Shop sucht man hier vergeblich. Der Whisky Abhainn Dearg Single Malt (2011) und der "Spirit of St. Lewis", ein Vorläufer des Whiskys, der eben noch keine 3 Jahre reifte, werden in der häuslichen Küche verkauft. Das sich dies lohnt sieht man daran, das Mark schon am Bauen von neuen Produktionsstätten ist. Selbstredend eigenhändig.
Mit einer weiteren Bereicherung für unser Whisky Regal ging es weiter auf Entdeckungstour.

Öffnungszeiten: Montag-Freitag, 11-13 Uhr und 14-16 Uhr





Der Tag war noch jung und auf dem Weg zurück über die B8100 machten wir über die B8059 einen Abstecher zur Insel Great Bernera (Wikipedia). Diese ist über eine Brücke seit 1953 mit dem "Festland" der Isle of Lewis verbunden. Oberhalb der Brücke befinden sich frühzeitliche Steine, die sogenannte Callanish VIII Steine (Wikipedia (englisch)). Sie bilden einen Halbkreis und werden lokal als "Tursachan" (Standing Stones) bezeichnet.








Bernera ist eine felsenreiche Insel, mit vielen kleinen Lochs und die Einwohner leben vor allem vom Hummerfang. 1992 legte ein Sturm eine Eisenzeit Siedlung frei, die wahrscheinlich von den Pikten gegründet wurde. Um diese zu schützen, wurde sie wieder mit Sand bedeckt und eine Nachbildung eines solchen Hauses "Bosta Iron Age House" ist in der Nähe des Friedhofes von Bosta/Bostadh zu sehen.
Öffnungszeiten: Für die aktuellen Öffnungszeiten sollte man folgende Nummer anrufen 01851/612285 oder in der örtlichen Touristeninformation nachfragen.



Wir parkten unser Auto am Friedhof und liefen Richtung Strand. Von hier kommt man auch zum Steinzeithaus, kann jedoch den schöneren Weg am Meer entlang nehmen.









Leider war das Steinzeithaus nicht mehr geöffnet und wir machten uns über die kurvige und abwechslungsreiche Straße zurück auf den Weg Richtung B8059 und weiter auf die B8011 nach Garrynahine/Gearraidh na h-Aihne und weiter über die A858 nach Stornoway. Hier gönnten wir uns ein leckeres Abendessen im HS-1 (Homepage). Vor allem die Muschelgerichte und Fischgerichte sind empfehlenswert. Nach dieser Stärkung ging es zurück zu unserem B&B in Barabhas/Barvas.